Die Buy-Build-Blend-Strategie beschreibt, wie die meisten Unternehmen heute tatsächlich entscheiden, auch wenn sie es selten so nennen. Fast niemand kauft ausschließlich Standardsoftware, und kaum jemand baut alles selbst.
Buy bedeutet, Standardsoftware zu lizenzieren, Build eine eigene Entwicklung, Blend die Kombination aus beidem. Blend ist in Industrie und Handel der Normalfall. Die Trennlinie verläuft am einzelnen Prozess: generische Prozesse kauft man ein, Prozesse mit echtem Wettbewerbsvorteil baut man selbst.
der Ausgaben für Unternehmenssoftware fließen in Kombinationen aus Kaufen, Bauen und Verbinden. Reines Buy oder reines Build bleibt die Ausnahme.
Gartner via TECHSY, 05/2026
Was die Buy-Build-Blend-Strategie konkret bedeutet
Buy heißt, eine fertige Software einzukaufen und zu lizenzieren, meist als SaaS-Abo. Build heißt, eine Lösung von Grund auf selbst entwickeln zu lassen. Blend heißt, beides zu kombinieren, SaaS-Werkzeuge für Standardprozesse einzusetzen und eigenen Code dort zu schreiben, wo ein Prozess das Unternehmen wirklich unterscheidet (TECHSY, 05/2026).
| Modell | Passt bei | Typisches Beispiel | Hauptrisiko |
|---|---|---|---|
| Buy | generischen Prozessen ohne Differenzierung | Buchhaltung, Zeiterfassung, Standard-CRM | Lizenzkosten wachsen mit der Nutzerzahl |
| Build | Prozessen, die den Unterschied ausmachen | eigene Preislogik, Fertigungssteuerung | Fixkosten für Entwicklung und Betrieb |
| Blend | fast allen realen Softwarelandschaften | Standard-ERP plus eigene Produktionsanwendung | Schnittstellen müssen dauerhaft gepflegt werden |
Die Faustregel dahinter ist einfach zu formulieren, auch wenn die Umsetzung Arbeit macht. Buy passt bei generischen Prozessen, die branchenübergreifend gleich ablaufen. Build lohnt sich bei Prozessen, die tatsächlich differenzieren (Exagon). Wer diese Trennlinie nicht zieht, kauft entweder zu viel Individualität für Standardprozesse oder zu wenig Individualität für die eigenen Stärken.
Ein Rechenbeispiel aus der Praxis
Eine Fallstudie zu einem B2B-SaaS-Unternehmen mit 50 Millionen US-Dollar Jahresumsatz zeigt den Effekt in Zahlen. Ein reiner SaaS-Stack kostete über fünf Jahre 487.000 US-Dollar, eine eigene Plattform für dieselben Funktionen 312.000 US-Dollar (TECHSY, 05/2026). Die Eigenentwicklung war hier günstiger, weil das Unternehmen bei hoher Nutzerzahl aus der Lizenzlogik der SaaS-Anbieter herauswuchs.
Wie man differenzierende Prozesse erkennt
Am schwierigsten ist bei der Buy-Build-Blend-Strategie die Vorarbeit. Welche Prozesse sind wirklich differenzierend? Eine einfache Prüffrage hilft weiter. Würde ein Kunde den Unterschied merken, wenn dieser Prozess plötzlich genauso liefe wie beim größten Wettbewerber? Bei der Lohnbuchhaltung lautet die Antwort fast immer nein. Bei einer selbst entwickelten Preislogik im Handel oder einer speziellen Fertigungssteuerung oft ja.
Eine zweite Prüffrage betrifft die Datenlage. Prozesse, bei denen ein Unternehmen über Jahre eigene Daten und eigenes Prozesswissen aufgebaut hat, eignen sich besser für Build, weil dieses Wissen in Standardsoftware ohnehin nicht abgebildet ist. Prozesse ohne diese Historie starten in Standardsoftware meist schneller und günstiger.
Wie der Einstieg in die Analyse gelingt
Der erste Schritt zur eigenen Buy-Build-Blend-Strategie ist eine Bestandsaufnahme der wichtigsten Geschäftsprozesse, sortiert nach Standardgrad und Differenzierungswert. Zwölf Kriterien für genau diese Bewertung, von Prozess-Standardgrad bis Exit-Szenario, haben wir im Beitrag zu Individualsoftware und Standardsoftware zusammengestellt. Die Kriterien lassen sich auf einzelne Prozesse anwenden, nicht nur auf ein Gesamtsystem.
Der zweite Schritt ist, den Blend nicht als einmalige Entscheidung zu behandeln. Ein Prozess, der heute generisch ist, kann in drei Jahren zum Differenzierungsmerkmal werden, wenn ein Unternehmen dort eine eigene Methode entwickelt. Die Stackzusammensetzung sollte deshalb regelmäßig überprüft werden, nicht nur bei der ersten Systemeinführung.
Ihre Prozesse einordnenNennen Sie uns drei Kernprozesse. Wir sagen Ihnen, welche davon nach Buy, nach Build und welche in die Mischform gehören.
Häufige Fragen
Was bedeutet Blend in der Buy-Build-Blend-Strategie konkret?
Blend bedeutet, SaaS-Werkzeuge für Standardprozesse zu nutzen und eigenen Code für die Prozesse zu schreiben, die ein Unternehmen wirklich unterscheiden (TECHSY, 05/2026). Ein typischer Blend-Stack kombiniert etwa Standard-ERP für Buchhaltung mit einer selbst entwickelten Anwendung für die Kernproduktion.
Woran erkennt man differenzierende Prozesse?
Ein Prozess ist differenzierend, wenn Kunden den Unterschied zum Wettbewerb spüren würden, sollte er plötzlich standardisiert ablaufen. Ebenso ein Hinweis ist eigenes, über Jahre aufgebautes Prozesswissen, das in keiner Standardsoftware abgebildet ist.
Wie startet man die Analyse für den eigenen Softwarestack?
Am Anfang steht eine Bestandsaufnahme aller relevanten Geschäftsprozesse, bewertet nach Standardgrad und Differenzierungswert. Aus dieser Liste ergibt sich, welche Prozesse für Buy, welche für Build und welche für eine Kombination infrage kommen.
Der nächste Schritt
torck setzt Buy, Build und Blend in eigenen Projekten um, mit Entwicklungsteams in Maxhütte-Haidhof, Wien und Rabat für Industrie und Handel. Wir sagen offen, wo eine SaaS-Lösung reicht und wo sich eigener Code lohnt. Ansprechpartner und Vertragspartner ist dabei immer die deutsche torck GmbH. Im Erstgespräch ordnen wir Ihre Prozesse gemeinsam ein.