Ein neues Betriebssystem auf einem Server installieren, ohne einen USB-Stick oder eine DVD in die Hand zu nehmen. Genau das macht Virtual Media möglich. Für Server in einem entfernten Rechenzentrum entscheidet die Funktion oft darüber, ob eine Neuinstallation am selben Tag erledigt ist oder erst, wenn jemand mit einem USB-Stick anreist.
Der BMC bindet eine entfernte ISO-Datei als virtuelles USB- oder CD-Laufwerk ein, der Server bootet davon wie von einem physischen Medium. Als Quelle dienen HTTP, HTTPS, NFS oder SMB. Zwei Anwendungsfälle dominieren: Bare-Metal-Provisioning neuer Hardware und die Reparatur eines beschädigten Systems über ein Rettungsmedium.
Wie Virtual Media technisch funktioniert
Die ISO-Datei muss nicht lokal auf dem Server oder in dessen unmittelbarer Nähe liegen. Als Quelle unterstützen die meisten Systeme HTTP und HTTPS, NFS oder SMB, der Zugriff erfolgt wahlweise über die Browser-Konsole des BMC oder über die Kommandozeile (netrouting, 2025). Für den Server selbst macht das keinen Unterschied. Aus seiner Sicht meldet sich am virtuellen USB-Port ein Datenträger, von dem sich booten lässt.
Das Prinzip klingt einfach, hat aber eine wichtige Voraussetzung. Der Server muss so früh im Boot-Prozess auf das virtuelle Medium zugreifen können, dass eine reguläre Betriebssysteminstallation überhaupt möglich ist. Der DMTF-Standard Redfish deckt diese Anforderung inzwischen ab. Das Redfish Host Interface erlaubt die Steuerung von Virtual Media bereits in der Pre-Boot-Phase, bevor das eigentliche Betriebssystem gestartet ist (DMTF, 2018).
Zwei Anwendungsfälle: neue Server und beschädigte Systeme
| Anwendungsfall | Ausgangslage | Was Virtual Media ersetzt |
|---|---|---|
| Bare-Metal-Provisioning | neue Hardware ohne Betriebssystem im Rack | Anreise mit Installationsmedium |
| OS-Reparatur | Bootloader oder System beschädigt | Rettungsmedium vor Ort einlegen |
| Firmware- oder Diagnose-Images | Herstellerwerkzeug muss booten | separater Datenträger je Server |
Beim Bare-Metal-Provisioning geht es um komplett neue Hardware, auf der noch kein Betriebssystem installiert ist (netrouting, 2025). Ein Techniker konfiguriert den Server, sobald er im Rack steckt und Strom sowie Netzwerk hat, ganz ohne dass jemand physisch vor Ort ein Installationsmedium einlegen muss.
Der zweite Fall ist die Reparatur an einem Server, dessen Betriebssystem beschädigt ist, dessen Bootloader nicht mehr startet oder der ein Rettungssystem für die Fehlersuche braucht. Gerade wenn ein Server an einem entfernten Standort ausgefallen ist, macht dieser Weg oft den Unterschied zwischen einer Reparatur binnen Minuten und einer mehrstündigen Anfahrt.
Welche Hardware Virtual Media unterstützt
Die Funktion ist längst kein Sonderfall einzelner Hersteller mehr. Kompatibel sind unter anderem Dells iDRAC in den Generationen 6 bis 9, Supermicro-Systeme, HPEs iLO sowie Raritans Dominion KX III (netrouting, 2025). Wer eine gemischte Serverflotte mit mehreren dieser Hersteller betreibt, kann Virtual Media als durchgängiges Werkzeug einsetzen, statt für jeden Hersteller eine eigene Installationsroutine zu pflegen.
Ein zweiter Punkt gehört dazu. Virtual Media ersetzt kein Backup und keine automatisierte Provisionierungspipeline. Es liefert den Weg, ein Installationsmedium ohne physischen Zugriff bereitzustellen. Die eigentliche Konfiguration des Systems übernehmen danach weiterhin die üblichen Werkzeuge.
Bare-Metal-Installation ohne AnfahrtWir zeigen an Ihrer eigenen Hardware, welche Server Virtual Media unterstützen und wie sich Images über mehrere Standorte bereitstellen lassen.
Virtual Media als Teil der Flottenverwaltung
Für Teams, die mehrere Standorte gleichzeitig betreuen, zählt neben der reinen Funktion vor allem die Übersicht darüber, welcher Server gerade eine Installation braucht, wo das passende Image liegt und wer zuletzt darauf zugegriffen hat. KVM Fleet bündelt den Virtual-Media-Zugriff über mehrere Server und Hersteller in einer gemeinsamen Oberfläche, sodass eine Installation nicht erst über die einzelne Weboberfläche jedes BMCs angestoßen werden muss. Für ein Team, das an einem Vormittag mehrere Server an unterschiedlichen Standorten neu aufsetzen muss, ist das der Unterschied zwischen einer geordneten Abarbeitung und einem Wechsel zwischen einem Dutzend Login-Masken.
Wie sich der zugrunde liegende Fernzugriff über den BMC grundsätzlich einordnet, beschreibt der Beitrag zum Out-of-Band-Management. Die Architektur für viele Standorte behandelt der Beitrag zu KVM-over-IP im Flottenmaßstab.
Häufige Fragen
Wie schnell ist eine Virtual Media Remote Installation?
Das hängt stark von der Größe der ISO-Datei und der verfügbaren Bandbreite zum Zielserver ab. Bei einer guten Standortanbindung unterscheidet sich eine Remote-Installation kaum von einer lokalen Installation mit physischem Medium. Bei schwacher WAN-Anbindung kann allein die Übertragung der Installationsdatei den überwiegenden Teil der Zeit beanspruchen.
Ist der Zugriff auf Virtual Media verschlüsselt?
Als Quelle für die ISO-Datei unterstützen die gängigen Systeme HTTPS neben dem unverschlüsselten HTTP sowie NFS und SMB (netrouting, 2025). Für eine Übertragung über ein öffentliches oder gemeinsam genutztes Netz empfiehlt sich HTTPS oder eine zusätzlich abgesicherte Verbindung wie ein VPN zum Management-Netz, in dem der BMC liegt.
Was muss der Zielserver für Virtual Media mitbringen?
Der Server braucht einen BMC, der Virtual Media unterstützt, wie es bei aktuellen Generationen von Dell iDRAC, Supermicro, HPE iLO und vergleichbaren Systemen der Fall ist (netrouting, 2025). Zusätzlich muss der BMC selbst über das Netzwerk erreichbar sein, entweder direkt oder über ein entsprechend eingerichtetes Management-Netz. Bei sehr alten Servergenerationen ohne diese Unterstützung bleibt nur der klassische Weg mit einem physischen Datenträger vor Ort.
Der nächste Schritt
KVM Fleet bündelt bei torck auch den Virtual-Media-Zugriff für die eigene Serverflotte, entwickelt vom Team in Maxhütte-Haidhof, Wien und Rabat. Weil die Software im eigenen Betrieb läuft, kennt das Team die Bandbreiten- und Kompatibilitätsfragen aus der Praxis. Details liefert die Produktseite von KVM Fleet.