ROI von KI-Projekten realistisch rechnen


Titelbild: KI-Projekt-ROI realistisch berechnen

Wer den KI-Projekt-ROI berechnen will, braucht mehr als die Lizenzkosten des eingesetzten Tools. Die Formel selbst ist einfach. Schwierig wird die Frage, was tatsächlich in Kosten und Nutzen einfließt. Genau dort liefern viele Business Cases für KI-Projekte ein zu positives Bild.

Kurz beantwortet

Der KI-Projekt-ROI ergibt sich aus Gesamtnutzen minus Gesamtkosten, geteilt durch Gesamtkosten, mal 100. Auf der Kostenseite fehlen in den meisten Business Cases der interne Aufwand mit 20 bis 35 Prozent und die Folgekosten nach dem Launch. Auf der Nutzenseite zählen eingesparte Zeit zum vollen Kostensatz, vermiedene Fehlerkosten und kürzere Durchlaufzeiten.

Warum KI-Projekte schneller amortisieren als klassische IT-Projekte

Ein Grund für das Interesse an KI-Investitionen ist die vergleichsweise kurze Amortisationszeit. Bei KI-gestützter Automatisierung liegt sie typischerweise bei drei bis sechs Monaten, bei klassischen IT-Projekten dagegen bei 18 bis 24 Monaten (Sophera Consulting, 03/2026). Bei Dokumentenverarbeitung werden nach zwölf Monaten ROI-Werte von 300 bis 600 Prozent berichtet (consultingrechner.de, 08/2026).

Woher diese Zahlen stammenSie kommen überwiegend von Beratungsunternehmen, die ein Interesse daran haben, KI-Projekte attraktiv darzustellen. Wer eine eigene Kalkulation aufstellt, sollte diese Bandbreiten als oberes Ende behandeln, nicht als Erwartungswert.

Für Entscheider in Industrie und Handel ist die Frage keine akademische Übung. Ein KI-Projekt konkurriert im Budget mit einer neuen Anlage oder einer Lagererweiterung, und diese Investitionen werden traditionell nüchtern gerechnet, mit Rückzahldauer, Risikoabschlägen und einem Vergleich mehrerer Optionen. Ein KI-Projekt-ROI, der derselben Nüchternheit standhält, überzeugt eine Geschäftsführung eher als eine optimistische Folie.

Der Vergleich mit klassischen IT-Projekten hinkt an einer Stelle. Ein KI-Projekt lässt sich oft in kleineren Schritten testen, bevor die volle Summe investiert wird. Diese Möglichkeit, früh zu erkennen, ob ein Anwendungsfall funktioniert, ist ein eigener Wert, der in keiner der zitierten Prozentzahlen abgebildet ist.

Der Kostenposten, den der KI-Projekt-ROI meist übersieht

20 bis 35 %

der Gesamtkosten entfallen auf internen Aufwand: Projektleitung, Fachabteilungen, die Testdaten liefern, IT-Mitarbeiter, die Schnittstellen bauen. Es ist der am häufigsten übersehene Posten in KI-Business-Cases.

KI-Beratung Deutschland, 06/2026

Kostenposten eines KI-Projekts, Quelle: KI-Beratung Deutschland 06/2026
Posten Anteil Steht meist im Business Case
Externe Beratung und Entwicklung 35 bis 55 Prozent ja, es liegt eine Rechnung vor
Interner Aufwand 20 bis 35 Prozent nein
Lizenzen und Betrieb laufend teilweise
Pflege der Datenquellen nach dem Launch laufend nein

Wer die Arbeitszeit der eigenen Mitarbeiter nicht einpreist, weil sie ohnehin da sind, rechnet sich die eigene Investition künstlich klein. Ein realistischer Business Case setzt einen Stundensatz für jede intern investierte Stunde an, auch wenn dafür kein Rechnungsbeleg existiert.

Ein zweiter oft vergessener Posten sind Folgekosten nach dem Projektabschluss. Ein System, das einmal produktiv läuft, braucht weiterhin Pflege der Datenquellen, gelegentliche Anpassungen an geänderte Prozesse und einen Ansprechpartner für Störungen. Wer diese laufenden Kosten nicht von Anfang an einplant, sieht im ersten Jahr einen positiven ROI und wundert sich im zweiten Jahr über unerwartete Rechnungen.

Was auf der Nutzenseite tatsächlich zählt

Auf der Nutzenseite lassen sich mehrere Größen unterscheiden: eingesparte Arbeitszeit, vermiedene Fehlerkosten und schnellere Durchlaufzeiten, die zusätzliche Aufträge ermöglichen. Zeitersparnis lässt sich in Euro übersetzen, indem die eingesparten Stunden mit dem vollen Kostensatz der jeweiligen Mitarbeitergruppe multipliziert werden, nicht nur mit dem Bruttogehalt. Sozialabgaben, Arbeitsplatzkosten und Führungsaufwand gehören in diese Rechnung.

Ein Pilotprojekt sollte nach drei bis sechs Monaten im Live-Betrieb einen ersten Break-even zeigen (KI-Beratung Deutschland, 06/2026). Zeigt sich dieser Punkt nicht, ist das noch kein Grund für Alarmismus. Es ist ein Signal, den Anwendungsfall zu überprüfen. Manche Projekte brauchen mehr Zeit, weil die Datenaufbereitung länger dauert als geplant. Andere sollten an dieser Stelle beendet werden, weil der ursprüngliche Anwendungsfall zu klein war, um die Investition zu rechtfertigen. Ein monatlicher Blick auf die Kennzahl macht diesen Unterschied früh sichtbar.

Wann ein KI-Projekt abgebrochen werden sollte

Ein klares Abbruchkriterium gehört in jeden Business Case, bevor das Projekt startet. Wenn nach sechs Monaten Live-Betrieb kein messbarer Nutzen erkennbar ist und auch keine plausible Erklärung für die Verzögerung vorliegt, lohnt sich ein Stopp mehr als ein weiteres Quartal Wartezeit.

In der Praxis fällt der Abbruch trotzdem schwer, weil bereits investiertes Geld und investierte Zeit die Entscheidung emotional aufladen. Ein Projektteam, das drei Monate an einer Integration gearbeitet hat, gibt diese Arbeit nur ungern verloren. Genau deshalb sollte das Abbruchkriterium schriftlich festgehalten und von einer Person außerhalb des Projektteams überprüft werden, sonst wiegt der bereits geleistete Aufwand automatisch schwerer als die nüchterne Zahl.

Wie sich eine solche Kennzahl bereits bei der Projektauswahl festlegen lässt, zeigen die drei Einstiegsprojekte im Beitrag Generative KI in Industrie und Handel.

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Häufige Fragen

Welche Nutzenarten fließen in den KI-Projekt-ROI ein?

Zeitersparnis, vermiedene Fehlerkosten und zusätzlicher Umsatz durch schnellere Durchlaufzeiten sind die häufigsten Nutzenarten. Weniger greifbare Effekte wie eine höhere Mitarbeiterzufriedenheit lassen sich schwer beziffern und gehören eher in eine qualitative Beschreibung als in die Kennzahl selbst. Wer solche weichen Effekte trotzdem einrechnen will, sollte sie separat ausweisen, damit nachvollziehbar bleibt, welcher Anteil des Ergebnisses auf harten Zahlen beruht.

Wie bewertet man eingesparte Arbeitszeit in Euro?

Der volle Kostensatz der jeweiligen Mitarbeitergruppe ist der richtige Maßstab, nicht das Bruttogehalt allein. Sozialabgaben, Arbeitsplatzkosten und ein Anteil der Führungskosten gehören in diesen Satz, sonst wird die Ersparnis systematisch zu niedrig angesetzt.

Wann sollte ein KI-Projekt gestoppt werden?

Wenn nach drei bis sechs Monaten Live-Betrieb kein Break-even erkennbar ist und keine nachvollziehbare Erklärung für die Verzögerung vorliegt. Ein vorab festgelegtes Abbruchkriterium verhindert, dass ein Projekt aus Prestigegründen länger läuft, als seine Zahlen es rechtfertigen.

Der nächste Schritt

torck kalkuliert KI-Projekte für Industrie und Handel mit denselben Kostenposten, die in diesem Beitrag beschrieben sind, inklusive interner Aufwände und Folgekosten. Unsere Teams in Maxhütte-Haidhof, Wien und Rabat setzen die Projekte danach auch um und betreiben sie weiter. Im Erstgespräch rechnen wir gemeinsam den KI-Projekt-ROI für das eigene Vorhaben durch. Erstgespräch vereinbaren.

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Florian Blischke
Geschäftsführer torck GmbH · über 20 Jahre Softwareentwicklung
Florian Blischke ist Geschäftsführer der torck GmbH und seit über 20 Jahren in der Softwareentwicklung tätig. Er verantwortet Individualsoftware für Industrie und Handel, von der Anbindung physischer Prozesse über IoT bis zu Cloud-Architektur und daten- sowie KI-gestützten Systemen. Bei torck begleitet er unter anderem die Energieplattform Jouvoli und das Fleet-Management-Produkt KVM Fleet. torck entwickelt an den Standorten Maxhütte-Haidhof, Wien und Rabat und legt Wert auf Software, die im Betrieb tatsächlich funktioniert.

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Wir bauen seit 2017 Software für Industrie und Handel, von Maxhütte-Haidhof aus, mit Teams in Wien und Rabat. Ein Erstgespräch dauert 30 Minuten und kostet nichts. Danach wissen Sie, ob sich das Vorhaben lohnt, auch wenn die Antwort nein lautet.

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